Taylors letzte Tour

Taylor Woods hatte seit vier Monaten ihre Krankenversicherung nicht mehr bezahlt und deshalb aus Kostengründen ein Taxi gerufen um ins Lenox Hill Medical zu gelangen.
Die Geschäfte liefen schlecht und dann hatte sich sich noch bei diesem Typen  was weggeholt, als sie gegen Aufpreis ohne Schutz gevögelt hatte. Sie kannte so ziemlich alles, was es an Geschlechtskrankheiten auf dem Markt von NYC gab: Tripper, HIV aus den Achtzigern des letzten Jahrtausends – inzwischen längst heilbar –  Chlamydien und nun diese beschissenen, juckenden Bläschen. Gentialherpes vermutlich, davon waren ja Radio und Fernsehen voll gewesen.
Als wäre das nicht genug, blutete sie seit Tagen wie ein Schwein aus Nase, Zahnfleisch und Möse und es hörte und hörte nicht auf, so dass sie wohl oder übel und weil sie inzwischen höllische Schmerzen hatte, um einen Besuch beim Doc wohl nicht herumkommen würde.

“Zum Lenox Hill Medical und zwar auf direktem Weg, Mann.”
Sie ließ sich hinten auf den Sitz fallen und presste ein Taschentuch vor den Mund, als es wieder los ging und obwohl sie sich gut gepolstert hatte, fühlte sie, wie das Blut ihr an den Beinen runterlief. “Fuck, fuck..fuck…” murmelte sie und hoffte, dass die Dunkelheit die Flecken auf den Sitzen gnädig verhüllen und ihr so die Reinigungsrechnung ersparen würde.
Die Fahrt von Chinatown auf die 1st AV sollte zu dieser Tageszeit maximal 10 Minuten dauern, aber schon nach fünf Minuten und einem schmerzgequälten Blick auf den East River, wurde Taylor klar, dass sie in größeren Schwierigkeiten als jemals zuvor war. “Fahr schneller, Mann, wenn du willst, dass ich lebend ankomme.”
Der Fahrer der sich nicht zu ihr umdrehte, lachte. Hätte er sich umgedreht oder in den Rückspiegel geblickt, hätte er ohne Zweifel aufs Gas getreten und zwar ohne Rücksicht auf Verluste. So aber drehte er nur die Musik etwas lauter, die scheppernd und in schlechter Qualität aus den Boxen drang.

Als er vor dem Hospital anhielt, machte Taylor keine Anstalten auszusteigen. Deswegen ging Abdil Reza um den Wagen herum und öffnet ihr die Tür.
FUCK! war das nächste, was man hörte und es kam von ihm. Und es war laut genug um Dr. Lisle und ihren Begleiter Jack O’Malley drinnen zu alarmieren. So gelangte Taylor auf einer Liege die letzten paar Meter ins Lenox Hill Medical und hinterließ einen blutverschmierten Sitz und einen aufgelösten Taxifahrer. Davon bekam sie allerdings nichts mehr mit. Die Bewusstlosigkeit ersparte ihr das. Das blutverschmierte Taschentuch, das sie sich auf den Mund gepresst hatte, löste sich aus ihren Fingern und der Wind trug es über die 1st AV davon. Ein Schneidezahn, der sich aus ihrem Zahnfleisch gelöst hatte, klebte noch auf ihrem Pullover.

Dr. Tini Lisle wurde behutsam arm Arm festgehalten, nachdem alle Versuche das Leben von Taylor zu retten, nicht dazu führten, dass das Herz wieder von selbst zu schlagen begann. So blieb Dr. Lisle nichts weiter übrig als am 28.02.2036 um 20.50 Uhr den Todeszeitpunkt von Taylor Woods festzustellen und dann einen Augenblick ihren Kopf an Jacks muskulöser Brust zu betten. Die Blutproben waren bereits auf dem Weg ins Labor. Taylor Woods war an multiplem Organversagen verendet und Dr. Lisle wollte und musste ermitteln, was dazu geführt hatte.